Richtlinienreihe VDI 2047

 

Erlass einer gesetzlichen Verordnung zur Überprüfung von Verdunstungskühlanlagen auf Legionellenbefall

 

Im Januar 2015 ist die Richtlinie 2047-2 in Kraft getreten. Sie gibt den rechtsverbindlichen Stand der Technik für Verdunstungskühlanlagen wieder und ist Grundlage für die seit 19.08.2017 geltende 42. Verordnung zur Durchführung des BundesImmissionsgesetzes.

 

Hintergrund dieser Verordnung sind u.a. die Legionellenepidemien 2010 in Ulm/Neu-Ulm mit 5 Toten und 2013 in Warstein mit 2 Toten. Mitverursacher waren in beiden Fällen Kühlturmsysteme.
So sind nach ähnlichen Epidemien in Spanien, Frankreich und Norwegen gesetzliche Regelungen getroffen worden. Nur nicht in Deutschland, trotz wiederholter Forderung durch Experten.

Der VDI aktualisierte kurz nach dem ersten Ausbruch in Ulm durch eine Arbeitsgruppe das bestehende Regelwerk zum hygienischen Betrieb von Verdunstungskühlanlagen und fasste sie in der VDI-Richtlinie 2047 zusammen.

 

Im Januar 2014 wurde vom Bundesumweltministerium zu dem ein Eckpunktepapier für eine Rechtsverordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (Verordnung über Verdunstungskühlanlagen, Nassabscheider und Naturzugkühltürme) in Umlauf gebracht (siehe Eckpunktepapier BMUB ).

 

Was bedeutet das für Sie als Betreiber?

 

Laut Bundesrat sollten in einer solchen Verordnung folgende Gegenstände geregelt sein (siehe Beschluss des Bundesrates ):

  • Definition der erfassten Anlagen;
  • Festlegung der zulässigen Belastung mit Legionellen (Kontroll- und Maßnahmenwerte im Kühlwasser);
  • Verpflichtung der Betreiber, eine Neuerrichtung von Anlagen vor Baubeginn anzuzeigen;
  • Anforderungen zur Fachkunde und Verpflichtung zur regelmäßigen Schulung von verantwortlichen Personen bei Betreibern;
  • Verpflichtung für Betreiber von Neuanlagen, die Anlage technisch emissions-mindernd auszugestalten;
  • Verpflichtung zur regelmäßigen Überprüfung, Reinigung und Wartung der Anlagen durch die Betreiber;
  • Verpflichtung der Betreiber, die Anlage mit definierten Zeiträumen von anerkannten Sachverständigen überprüfen zu lassen. Verpflichtung zur Übersendung der Berichte an die Behörde, sofern Mängel festgestellt wurden;
  • Verpflichtung zur Sanierung und unverzüglichen Stilllegung unzulässig belasteter Anlagen;
  • Ordnungswidrigkeitentatbestände

In der gültigen VDI-Richtlinie 2047 und hier speziell Blatt 2 vom Januar 2015 (siehe VDI 2047 Blatt 2 ) werden Sie als Betreiber einer Verdunstungskühlanlage den Stand der Technik, Arbeitsmedizin und Hygiene gemäß §4 des Arbeitsschutzgesetzes wahrnehmen und erfüllen müssen.

 

Als Arbeitgeber sind Sie verpflichtet, eine Gefährdungsbeurteilung zu erstellen. In einer Betriebsanweisung müssen Sie die Schutz- und Hygienemaßnahmen beschreiben.

Aber auch eine Gefährungsbeurteilung, die eine Risikoanalyse und Risikobewertung hinsichtlich potentiellen Schadenausmasses im Schadensfall und Auswirkungen auf die hygienische Sicherheit müssen erstellt werden – und zwar für jede Anlage.

Bei Verdacht auf Legionellen, Pseudomonaden oder auch Schimmelpilzen schreibt die VDI 2047-2 vor, zusätzlich die Anforderungen der Biostoffverordnung (BioStoffV), bei Verwendung von Gefahrstoffen (wie Bioziden) außerdem die Anforderungen der Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) zu berücksichtigen. Die Grenzwerte für Legionellen und Pseudomonaden orientieren sich an denen des Trinkwassers, bei geringsten Verunreinigungen muss eine Reinigung und Desinfektion erfolgen.

 

Für einen technisch und hygienisch einwandfreien Betrieb wird außerdem gefordert:

Regelmäßige Überwachung der Kühlwasser-Hygiene durch geschultes Personal (Mindestanforderung):

  • Monatliche Kontrolle der Gesamtkoloniezahl
  • Vierteljährliche Kontrolle der Mikrobiologie wie Legionellen etc.
  • Nachweis über die Wirksamkeit der eingesetzten Wirkstoffe gegen Legionellen

 

Permanente Kühlwasser-Kontrolle:

  • Überwachung mit Protokollierung der Kühlwasserqualität durch geeignete MSR Technik

 

Allgemeine Untersuchungen auf die Parameter (14tägig):

  • Leitfähigkeit
  • pH-Wert
  • Gesamthärte
  • Chlorid
  • Sulfat
  • Konditionierungsprodukte
  • Gesamtkeimzahl

 

Bei ausreichender Erfahrung und bei Konstanz der Messergebnisse kann der Prüfrhythmus auf bis zu 2 Monate ausgedehnt werden. Die Untersuchungen der allgemeinen Parameter dienen der Sicherstellung der Richtwerte, wie in der VDI 3803 angegeben, um Ablagerungen zu vermeiden und dadurch die Bildung von Biofilmen zu begrenzen.

 

Mikrobiologische Untersuchungen werden monatlich empfohlen, mindestens sind sie vierteljährlich durchzuführen. Untersucht wird dabei auf Legionella, Pseudomonas Aeruginosa und Gesamtkeimzahl. Für die Untersuchung ist ein akkreditiertes Labor zu beauftragen.

Beispiel – Checkliste für regelmäßige Inspektionen (orientierend) aus der VDI 2047 Blatt 2

 Prüfungen auf  Bauteile/ Komponenten  Maßnahme(n)  Intervall
1 Monat 3 Monat 12 Monat
Funktion Mess- und Regelorgane Instandsetzen
Abflutung/Absalzung/ Abschlämmung
Pumpen
Filter
Mineralische AblagerungenSchmutz- und Schlamm- ablagerungenBiofilm (biologische Ablagerungen) Mess- und Regelorgane weitergehende Untersuchungen,
gegebenenfalls mikro-biologische Bestim-mungEntfernen der Ablage-rungen
Wärmeüberträger
Filter
Füllkörper
Sprühdüsen
Tropfenabscheider
Rohrleitungen
Kühlturmtassen
Beschädigung und Korrosion alle Komponenten Instandsetzen

 

Fazit

Der Gesetzgeber hat die 42. Verordnung zur Durchführung des BundesImmissionsgesetzer erarbeitet, die bereits in Kraft getreten ist. Die Verordnung trifft Festlegungen zum hygienisch einwandfreien Betrieb, die im Wesentlichen auf der Richtlinie VDI 2047 Blatt 2 „Rückkühlwerke – Sicherstellung des hygienegerechten Betriebs von Verdunstungskühlanlagen (VDI-Kühlturmregeln)“ basieren.

Kommen Sie also Ihren Pflichten als Betreiber nach. Warten Sie nicht zu lange und setzen Sie jetzt die neue Richtlinie in die Praxis um.

 

Wir die Firma JAWATECH beraten Sie über die notwendigen Maßnahmen und unterstützen Sie bei der Umsetzung und den Kontrollen.

 

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